Neue Krippe in der Stadtkirche

 

Pünktlich zum 30. Adventskrämchen ist die neue Krippe von Elisabeth Striepens für die Rhedaer Stadtkirche fertig! Über drei Monate hat die freischaffende Künstlerin an der Weihnachtskrippe gearbeitet. In der Advent- und Weihnachtszeit wird sie auf dem Altar des evangelischen Gotteshauses zu sehen sein. Einzigartig ist das verarbeitet Material: die 50 bis 80 cm hohen Krippenfiguren sind ganz aus Stroh gefertigt. Jeder Strohhalm ist einzeln ausgesucht und ohne Kleber verarbeitet. „Es ist erstaunlich, welchen tiefen Ausdruck die einzelnen Figuren trotz des schwer zu bearbeitenden Materials haben.“, zeigt sich Pfarrer Rainer Moritz von der Strohkrippe begeistert.

Die Striepens-Krippe mit den lebensgroßen Textilfiguren wird in diesem Jahr nicht in der Kirche ausgestellt. „Ursprünglich sollte die neue Krippe aus Stroh erst Weihnachten 2012 fertig werden. Doch der kreative Prozess lief schnell und intensiv.“, erläutert der Pfarrer der Stadtkirche. „Es ist eine richtige Adventssüberraschung!“

 

Elisabeth Striepens wurde 1937 in Odessa geboren. Verfolgung und Verschleppung, Krieg und Neubeginn, Klosterdasein und Familienleben, Krankheit und kreatives Schaffen haben ihr Leben bestimmt. Mitte der 60ger Jahre begann die lange in Gelsenkirchen lebende Künstlerin mit ersten Arbeiten. „Das war damals eine Art Vergangenheitsbewältigung. Ich musste mich von vielem durch dieses Formen und Gestalten befreien – der seelische Ballast fiel langsam von mir, als ich Puppen, Figuren und schließlich auch Krippen schaffen konnte.“ Seit 2009 lebt Striepens in Rheda.

Kreatives Gestalten ist für die Puppen- und Marionettenkünstlerin Therapie und Selbstverwirklichung, Aufarbeiten der persönlichen Biographie ebenso wie Gesellschaftskritik. So sind ihre Puppenfiguren nicht im vordergründig-ästhetischen Sinne schön, sie zeigen vielmehr das ganze Leben und die oft harte Wirklichkeit. Für Sentimentalitäten oder gar Kitsch hat Striepens nichts übrig. „Ich weiß selbst, was Kinder ertragen, erfahren, erdulden müssen. Das versuche ich auszudrücken.“

Aus Textilien, Stroh, Gips und Holz fertigt Striepens ihre Puppen, Marionetten, Strohskulpturen und Wandbehänge. Sie sind fein differenziert in Ausdruck, Gestalt und Gestik. Begriffen werden die Werke nicht in einer unaufmerksamen Flüchtigkeit, vielmehr fordern sie zum Aufbrechen aus einer resignativen oder gefühllosen Gleichgültigkeit heraus.

Ähnliches gilt auch für ihre Krippen, bei denen die Künstlerin ebenfalls Textilien und Alltagswaren oder Stroh verwendet. Ihre Arbeiten wollen nicht nur der religiösen Betrachtung und Meditation dienen, sie weisen zugleich kritisch auf soziale Mißstände oder weltweite Probleme wie Krieg, Ungerechtigkeit und Gewalt hin. Die biblische Botschaft möchte Striepens für die heutige Zeit künstlerisch neu formulieren. Immer wieder bewegen sie dabei Fragen nach Sinn, Einheit, Freiheit, Fülle und Frieden auf dem Hintergrund von Hunger, (Ohn-)Macht, Streit und Zerstörung.

 

Lieblingsfigur der neuen Strohkrippe ist für Striepens der König, der selbst seine Krone als Geschenk dem Kind in der Krippe überreicht. „Er gibt seine Macht auf, weil es beim Christuskind um etwas ganz anderes geht.“

Neben der Krippe ist über dem Altar der Stadtkirche bis Heiligabend die Strohskulpur „Maria Verkündigung“ zu sehen. Der Engel kündigt Maria die Geburt Jesu an. Zum Weihnachtsfest dürfen sich die Besucher dann auf ein weiteres Kunstwerk von Eliasabeth Striepens freuen. Dann soll ein metergroßer Strohsternreif über der Altarkrippe aufgehen.

 

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