Wichtigstes Nahrungsmittel - nach Jesus Christus
Experte von "Brot für die Welt" referierte

„Während weltweit eine Milliarde Menschen hungern, leiden 1,8 Milliarden Menschen in den Industrieländern unter Fettleibigkeit.“ Dr. Bernhard Walter bringt es auf den Punkt. Der Referent von „Brot für die Welt“ sprach jetzt zum Erntedankfest vor Interessierten in der Evangelischen Versöhnungs-Kirchengemeinde zum Thema „Hunger ist kein Schicksal, sondern menschengemacht“. Walter ist Landwirtschaftsexperte der evangelischen Hilfsorganisation und war extra für den Vortag in der Emsstadt aus Stuttgart angereist.
Täglich sterben 25.000 Menschen an Hunger – alle fünf Sekunden einer, so Dr. Walter in seinem Vortrag. Dabei könnte man alleine mit den in Europa und den USA weggeworfenen Lebensmitteln alle Hungernden der Erde mehrmals ernähren. Die meisten unterernährten Menschen gibt es in Afrika und Indien – vor allem in den ländlichen Gebieten.
Die Gründe für den Hunger in der Welt seien vielfältig, so Walter: Neben Ernteausfälle durch den Klimawandel und ein Bevölkerungswachstum tritt eine steigende Nachfrage nach landwirtschaftlichen Flächen für Tierfuttermittel und Biosprit. Auch werden viele Kleinbauern durch große Agrarkonzerne vom Markt verdrängt. Dumpingpreise bedingt durch Agrarsubventionen in den Industrieländern führen zur Verdrängung der heimischen Landwirtschaft in den Entwicklungsländern.
Andererseits verbrauchen die Industrieländer viel zu viele Ressourcen: Es werden zu wenig saisonale und heimische Produkte verwendet, der Fleischkonsum sei zu hoch und extrem viele Lebensmittel werden schlicht weggeworfen. „Hier ist ein Umdenken zwingend erforderlich“, so Dr. Walter. Jeder einzelne könne durch geändertes Konsumverhalten zu einer gerechteren Verteilung der Ressourcen beitragen.
Als ein Beispiel nannte Walter den Kauf von fair gehandelten Produkten (Kaffee, Tee, Schokolade, Quinua…), das den exportierenden Bauern einen Mindestlohn für ihre Arbeit garantiere. Immerhin sei in deutschen Kirchengemeinden „der Kaffee das wichtigste Lebensmittel – nach Jesus Christus“, meinte Walter mit einem Augenzwinkern. Hier lobte der Ökonom das Engagement der Kirchengemeinde in der Fair-Trade-Initiative der Stadt Rheda-Wiedenbrück.
Abschließend wies Bernhard Walter auf zahlreiche Projekte hin, bei denen „Brot für die Welt“ konkrete Hilfe vor Ort leiste. So baut die Organisation in Angola eine neue landwirtschaftliche Infrastruktur auf, betreibt in Burkina Faso Gesundheitsvorsorge, fördert in Äthiopien den Bau von Bewässerungsgräben und hat in Bangladesch durch neue Reissorten zu verbesserten Ernteerträgen geführt. Jedes Jahr unterstützt „Brot für die Welt" etwa 1.000 Projekte in über 70 Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und Osteuropas. Im Jahr 2010 konnten durch Spenden über 64 Millionen Euro in Hilfsprojekte fließen. Thematische Schwerpunkte waren die Ernährungssicherung, die Förderung von Bildung und Gesundheit, die Überwindung von Gewalt sowie der Kampf gegen Aids. (-beu)
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